IT-Gipfel: Leuchtturmprojekt THESEUS demonstriert Einsatz von semantischen Technologien für eine bessere medizinische Diagnose
Darmstadt, 20.11.2008:
Im Rahmen des IT-Gipfels der Bundesregierung zeigt Deutschlands größtes IT-Forschungsprogramm THESEUS, wie semantische Technologien künftig die medizinische Diagnose und Therapie vereinfachen werden. Eine Beispielanwendung demonstriert, dass medizinisches Wissen mit den entwickelten Technologien intelligent verknüpft und effizienter ausgewertet werden kann. So trägt THESEUS dazu bei, Patienten bessere Heilungschancen und Krankenhäusern Möglichkeiten zur Kostensenkung zu eröffnen.
„Semantische Technologien werden die Nutzungsmöglichkeiten von digitalen Informationen dramatisch erweitern“, erklärt Dr. Martin Huber, Leiter des Anwendungsszenarios MEDICO bei der Siemens AG. „Aus unstrukturierten Daten wird strukturiertes und nutzbares Wissen, das den Anwendern, zum Beispiel Ärzten im Krankenhaus, passgenau zur Verfügung steht.“
Die auf dem IT-Gipfel vorgestellte Beispielanwendung, die unter Führung des THESEUS Programmbüros gemeinsam mit Siemens, SAP und empolis entwickelt wurde, verdeutlicht die Einsatzmöglichkeiten von semantischen Technologien im medizinischen Bereich. „Mit diesen Technologien können Computer in Zukunft nicht nur anatomische Strukturen wie Knochen, Gefäße oder Organe erkennen, sondern Patientendaten und Befunde auch automatisch klassifizieren, mit vorhanden Behandlungsberichten vergleichen und daraus Schlussfolgerungen ziehen“, erklärt Dr. Huber. Mögliche Krankheiten können so durch den behandelnden Arzt nicht nur schneller und präziser erkannt werden, sondern Therapieentscheidungen werden durch den effizienten Einbezug von medizinischem Wissen aus Fachliteratur und Datenbanken auch auf eine breitere und damit aussagekräftigere Grundlage gestellt. Davon profitieren Patienten und Ärzte doppelt: Die Diagnose wird verlässlicher und unnötige Zusatzuntersuchungen können häufiger vermieden werden.
Die gezeigte Beispielanwendung ist nur ein Einsatzfeld für die Technologien aus dem THESEUS-Programm. In sechs Anwendungsbereichen werden semantische Technologien entwickelt und ihr Einsatz erprobt. Insbesondere aus dem Zusammenspiel dieser Bereiche ergeben sich vielfältige Ansatzpunkte für die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen am IT-Standort Deutschland. „Mit dem THESEUS-Programm hat Deutschland die Chance, im Bereich der Informationstechnologien international in die Spitze aufzurücken“, erläutert Dr. Andreas Goerdeler, Leiter des Referats „Entwicklung konvergenter IKT“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi).
Das THESEUS-Forschungsprogramm wurde vom BMWi im Jahr 2007 als Leuchtturmprojekt der Bundesregierung gestartet. Im Rahmen des Programms betreiben 30 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten Projekte zur Entwicklung anwendungsorientierter Basistechnologien und technischer Standards für das Internet der Dienste. Ziel ist es, den Zugang zu Informationen zu vereinfachen, Daten zu neuem Wissen zu vernetzen und die Grundlage für die Entwicklung neuer Dienstleistungen im Internet zu schaffen. Das Programm hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird vom BMWi mit rund 100 Mio. Euro gefördert. Die für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stehenden Mittel verteilen sich je zur Hälfte auf Wissenschaft und Wirtschaft. Zusätzliche 100 Mio. Euro werden als Eigenmittel der beteiligten Partner aus Industrie und Forschung aufgebracht.
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