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ALEXANDRIA – Wissensplattform im Internet

In der gleichnamigen Stadt an der ägyptischen Mittelmeerküste lag die berühmteste Bibliothek der Antike. Ihr präzises System der Katalogisierung vereinfachte schon damals den Zugang zu Wissen. Inspiriert durch dieses Vorbild entwickeln Forscher im Rahmen von ALEXANDRIA eine Wissensplattform im Internet, die durch völlig neue Interaktions- möglichkeiten die Erschließung von Wissen erleichtert.

Ausgangspunkt des Anwendungsszenarios ALEXANDRIA ist die wachsende Bedeutung der Internetnutzer im sogenannten Web 2.0. Heute nutzen Anwender nicht nur Suchmaschinen, E-Mail- und Chat-Dienste, sondern stellen ihr Wissen auch selber aktiv zur Verfügung. Bekannte Beispiele für diese neue Form der Interaktion sind Blogs, die Online-Enzyklopädie Wikipedia oder soziale Netzwerke wie Facebook oder Xing. Diese Plattformen wären ohne Nutzer, die Wissen und Informationen bereitstellen und austauschen, nicht denkbar.

Wissen sammeln und zugänglich machen

Ziel der an ALEXANDRIA beteiligten Forscher ist es, das im Rahmen des Web 2.0 verfügbare Wissen besser zu vernetzen und leichter zugänglich zu machen. Dazu wird eine Wissensplattform entwickelt, die nicht nur Informationen sammelt, sondern auch dazu beiträgt, die tägliche wachsende Datenmenge besser zu verwalten. Diese Wissensplattform soll die Nutzer bei der Veröffentlichung und Weiterentwicklung von Inhalten sowie bei der Suche nach Inhalten unterstützen. Die Plattform soll einfach und intuitiv bedienbar gestaltet werden. Dazu werden semantische Technologien und Ordnungssysteme entwickelt, die Informationen auf Grundlage von sogenannten Metadaten zueinander in Beziehung setzen und so große Datenmengen sinnvoll verknüpfen können.

Umfassender Zugriff auf Wissen

Um die Möglichkeiten einer solchen Wissensplattform zu demonstrieren, widmet sich ALEXANDRIA in einer ersten Beispielanwendung den Themengebieten „Geschichte und aktuelles Zeitgeschehen“.

Statt wie heutzutage mit Hilfe von Schlagwörtern Informationen zu suchen, kann der Nutzer seine Anfrage in natürlicher Sprache an das System stellen. Möchte er beispielsweise wissen, welche Olympioniken des 20. Jahrhunderts aus Berlin stammen, so ist das System in der Lage, ihm die entsprechenden Namen zu nennen und zusätzliche Informationen zu Biografie und sportlichen Erfolgen zur Verfügung zu stellen. Indem unterschiedliche Ergebniskategorien wie Personen, Orte oder Ereignisse zueinander in Beziehung gesetzt werden, ist das System in der Lage, menschliches Wissen zu verstehen und geordnet wiederzugeben.

ALEXANDRIA trägt auch dazu bei Wissen anschaulich zu visualisieren. Sind beispielsweise Informationen zur Geschichte der Olympischen Spiele gesucht, so kombiniert die Wissensplattform Daten zu vergangenen und kommenden Sommer- und Winterspielen mit geografischen und zeitlichen Informationen. Der Nutzer kann sich dann auf einer Weltkarte die verschiedenen Austragungsorte anzeigen lassen, auf einer Zeitleiste durch die Meilensteine der Olympischen Geschichte von der Antike bis in die Neuzeit navigieren und weiteres in diesem Zusammenhang relevantes Wissen abrufen, z.B. die Sieger bestimmter Disziplinen.

Das Wissen der Nutzer wird einbezogen

Welche Kategorien und Informationen als wichtig präsentiert werden, entscheiden die Nutzer in einem kontinuierlichen Abstimmungsprozess in dem sie die Relevanz der Daten individuell bewerten. Auch weitergehende Informationen, die dem Nutzer angeboten werden, können detailliert bewertet werden.

ALEXANDRIA zeigt bereits während der Eingabe an, welche Teile einer Anfrage automatisch erkannt wurden. So kann der Nutzer Korrekturen vornehmen und seine Anfrage spezifizieren. Will er beispielsweise wissen, wo Neil Armstrong geboren wurde, so fragt ALEXANDRIA automatisch nach, ob der US-amerikanische Astronaut oder der kanadische Eishockey-Schiedsrichter gemeint ist.

Fragen, die vom System nicht automatisch beantwortet werden können, werden an andere Nutzer mit entsprechenden Kenntnissen weitergeleitet. Zusätzlich werden diese auch aufgefordert, die Plattform um relevante Fakten und passende Multimediadateien zu ergänzen und so die Wissensbasis kontinuierlich zu erweitern. Auch diese Erweiterung kann in natürlicher Sprache vorgenommen werden: So wird z.B. der Satz „Neil Armstrong wurde 1932 geboren“ automatisch vom System erkannt und die darin enthaltenen Informationen werden in die Wissensbasis aufgenommen.

Um die Nutzer zu einem integralen Bestandteil der ALEXANDRIA-Plattform zu machen, lernt das System, welcher Nutzer über welches Wissen verfügt und wie stark er zur Wissensbasis beiträgt. Damit wird es auch möglich, Nutzer über geteilte Interessen zusammenzuführen und zu Wissensgemeinschaften zu verbinden.

Wissen mobil abrufen

Damit der Nutzer jederzeit und an jedem Ort Zugriff auf die Wissensplattform hat, soll ALEXANDRIA in einem weiteren Schritt über mobile Endgeräte wie beispielsweise Mobiltelefone, Kameras oder GPS nutzbar gemacht werden.
Betrachtet der Nutzer einen bestimmten Gegenstand durch die Kamera seines Mobiltelefons, legt ALEXANDRIA, unter Berücksichtigung des Standorts und der Blickrichtung des Nutzers, automatisch semantische Inhalte über das Bild. Passend zum aktuellen Foto eines Gebäudes könnten zum Bei-spiel historische Aufnahmen eingeblendet werden, um dem Nutzer eine visuelle Zeitreise zu ermöglichen. Weitere Informationen und verknüpfte Inhalte können durch einfaches Berühren des Bildschirms abgerufen werden. So verändert sich die Nutzererfahrung von einem „Suchen“ hin zu einem „Stöbern“ in semantischen Zusammenhängen.

Ziele von ALEXANDRIA:

– Einfache und intuitiv bedienbare Wissensplattform im Internet schaffen
– Nutzer aktiv einbinden und eine vernetzte Wissens-Community aufbauen
– Manuelle und automatische Metadatenerzeugung kombinieren
– Neue Navigations- und Interaktionskonzepte entwickeln
– Nutzung von mobilen Endgeräten zur Navigation durch das semantische Netz ermöglichen